Kurzchronik

 

Das Barther Schützenwesen

Auf das Jahr 1450 geht die Gründung der Sankt-Georgs-Brüderschaft, auch Schützenbrüderschaft genannt, zurück. 1493 wird sie im Stadtverlaßbuch erwähnt und 1515 verfügt sie nach dem Verständnis jener Zeit schon über ein ziemlich beträchtliches Vermögen.

Viele Schützengesellschaften gehen auf kirchliches Wirken zurück. Die Klöster gründeten im ausgehenden Hochmittelalter Rodungsgesellschaften, aus denen im Laufe der Zeit Schützengesellschaften erwuchsen. Deren enge Verbindung zu den Kirchen und Klöstern bestand über Jahrhunderte. Die meisten Schützengesellschaften betrachteten den heiligen Sebastian als ihren Schutzpatron. Der Schutzpatron der  Barther Schützenbrüder war der heilige Georg. Ihn zu ehren, stiftete die Schützenbrüderschaft am 14. Oktober 1515 einen Altar in der Pfarrkirche. Der Altar befand sich unter der Orgel. Von der Stiftung wurde auch ein Priester mit jährlich 24 Mark besoldet, ab 1536 war es Jochim Schulte, der wöchentlich wenigstens zweimal am Altar in der Pfarrkirche eine Messe hielt.

Aus der Überlieferung geht hervor, daß die ersten Barther Schützenbrüder Pfeilschützen waren, die sich im Bogenschießen übten. Sie waren freie Bürger, die sich zusammenfanden, um miteinander frohe Feste zu feiern. An der Ostsee wurden die Schützenfeste nicht von den Städten, sondern von den Kaufleuten veranstaltet. Die Schützenfeste dienten dem Handel und dem Kontakt zugleich. Dabei war Rostock ein Zentrum der fahrenden Kaufleute. Die dort bereits 1466 bestehende "Landfahrer-Krämerkompagnie" führte jedes Jahr zu Pfingsten ein Schützenfest durch.

Über lange Zeiträume war die Schützengilde von der Gnade der Landesfürsten abhängig. Der in Barth residierende Herzog Bogislaw XIII. (1570 - 1605), wollte der Gilde eine neue Verfassung geben. 1602 widmete er der Barther Schützengilde eine Denkmünze. Sein Sohn, der in Barth geborene Bogislaw XIV., bestätigte den Bürgermeister Caspar Kümmelberch als Schützenkönig. Bogislaw XIV. übte auch die Aufsicht über das Patronat der Schützengilde aus.

Im Jahre 1602 unterzeichnete der Herzog Philipp in Stettin eine Schießordnung und Anweisungen über das Verhalten der Schützen auf dem Schießplatz. Aus dieser Ordnung geht hervor, daß auf den Vogel oder die Scheibe mit der Büchse geschossen wurde. Das Schießen geschah aus freier Hand mit ausgestreckten Armen. Der Fürst bekam danach den ersten Gewinn. Diese Regelung bildet die Grundlage dafür, daß in späteren Jahren stets ein Vertreter des Landesherrn am Barther Schützenfest teilnahm und die ersten drei Schüsse für den Landesherrn abgab. Die Schießgebühr betrug 1602 sechs kleine Fund je Teilnehmer.

1645 verschmolz die Barther Schützengilde mit der Kompanie der Beständigkeit, die schon um 1400 als Constavergilde bestand und den Zweck der Leichenbestattung erfüllte.

Durch langjährige Kriegsunruhen mußte das Schießen oft ausfallen. Von 1656 bis 1705 wurde das Scheibenschießen ganz abgesetzt. 1705 beantragte die Kompanie wieder die Erlaubnis zum Scheibenschießen, welche ihr am 08. September erteilt wurde. In der Erlaubnis stand, das Scheibenschießen darf eine Woche nach Pfingsten durchgeführt werden. Die Teilnehmer haben sich still und friedlich zu betragen, zum Gesöff und unordentlichem Wesen ist kein Anlaß zu geben und das Publikum darf nicht um Beiträge gebeten werden.

1737 gab es auf dem Trebin das erste Schießhaus in Form einer Holzbude, welche am 04. Juni 1737 durch einen Sturm umgeweht wurde. Am gleichen Platz steht noch heute das Schützenhaus. Erst 1793 sind die Mittel bereit, ein Schützenhaus zu bauen. Die Stadt lieferte das nötige Bauholz und gewährte ein Darlehen von 200 Talern zu 5 % Verzinsung. Jährlich sollte ein Betrag von 25 Talern abgetragen werden.

Ab etwa 1800 nahmen die Schützen immer öfter eine bare Zuwendung von der Stadt als Hilfe für den Schützenkönig in Anspruch. Mit der Eingliederung Pommerns in das Königreich Preußen 1815, wird die finanzielle Zuwendung bei der königlichen Regierung in Stettin beantragt und von dort auch genehmigt.

Zum Schützenfest 1816 führte die Schützenkompanie am ersten Festtag, dem 06. Juni, eine feierliche Fahnenweihe durch. Der Kämmerer Lönnies vertrat beim anschließenden Königsschießen Seine Majestät den König, Friedrich Wilhelm III. Weil der Kämmerer Lönnies den besten Schuß abgab, erlangte Friedrich Wilhelm III. die Würde eines Barther Schützenkönigs.

Ein Ereignis von Bedeutung für alle Schützen in Vorpommern ist die am 28. und 29. August 1848 in Greifswald stattfindende Gründung des Vorpommerschen Provinzial-Schützen-Bundes. Mit der Gründung dieses Regionalverbandes zeigten sich die pommerschen Schützen als Vorreiter in Deutschland. Erst nach Gründung des Deutschen Schützenbundes 1861 kam es auch in anderen Regionen zur Bildung von Regionalverbänden. So z.B. 1865 in Mecklenburg und 1886 in Schwaben.

Am 07. Mai 1861 wird von Bürgermeister und Rat eine neue Satzung bestätigt und die Schützengilde übernimmt den Namen "Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth".

Ein großartiges Erlebnis wird für die Barther Bürger die Ausrichtung des Provinzial-Schützenfestes 1865 durch die hiesige Schützenkompanie. Das Fest findet an drei Tagen vom 02. bis 04. August statt. Die Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth richtet das Provinzial-Schützenfest insgesamt drei Mal aus, 1865, 1890 und 1914. Zwei Mal gelangen Barther Schützen zur Ehre als Provinzial-Schützenkönig, 1885 der Uhrmacher Otto Siebert und 1886 der Hoflieferant Friedrich Wilhelm Krüger.

Das Jahr 1877 hat für die Bürger-Schützen-Kompanie eine besondere und nachhaltige Bedeutung. In diesem Jahr verstarb der Kommerzienrat Heinrich Julius Rodbertus. Aus dessen Stiftung erhielt die Kompanie in jedem Jahr die Kosten für das gemeinsame Mittagessen am ersten Scheibenschußtag ersetzt. Während des Essens gedachte man dem Wohltäter mit einem stillen Glas.

Das Schützenfest 1886 blieb allen Schützen lange in Erinnerung, denn beim Schießen auf die Königsscheibe vertrat der Kommerzienrat Wallis Seine Majestät den Kaiser, Wilhelm I. Da Herr Wallis den besten Schuß abgab, erlangte Seine Majestät der Kaiser die Würde eines Barther Schützenkönigs. Der Kaiser nahm die Würde huldvoll an und widmete der Bürger-Schützen-Kompanie ein Ehrengeschenk. Dies bestand in einer Denkmünze mit dem Portrait des Kaisers. Die Münze wurde zum Schützenfest 1887 überreicht und zierte von da an den Schild der Kompanie.

Zum Schützenfest 1906 stiftete Kamerad F. F. Krüger der Schützen-Kompanie eine neue Fahne, die am ersten Schützenfesttag feierlich vom Stifter abgeholt wurde. Die Fahnenweihe wurde anschließend auf dem Hafenplatz durchgeführt. Die Weiherede hielt der langjährige Provisor und Kaufmann-Altermann Carl Eduard Völcker.

Das letzte Schützenfest vor dem ersten Weltkrieg wird gemeinsam mit dem Provinzial-Schützenfest vom 28. bis 30. Juni 1914 durchgeführt.

Schon kurze Zeit nach dem ersten Weltkrieg nahm die Bürger-Schützen-Kompanie wieder ihre dominierende Rolle im Vereinsleben der Stadt ein. Selbst der Bürgermeister lies es sich nicht nehmen, persönlich am Schießen auf die Königsscheibe mitzumachen, um dabei die Stadt zu vertreten bzw. zu repräsentieren.

Am 18. Oktober 1926 wird im Amtsgericht Barth die Bürger-Schützen-Kompanie im Vereinsregister eingetragen. Die Eintragung beurkundet Justizinspektor Fink, für den Verein erschien das Provisorat, Heinz Rohde, Friedrich Rediek, Wilhelm Asmus und Friedrich Bresemann.

Zum Schützenfest 1927 wurden in der Bürger-Schützen-Kompanie die grüne Jacke und der grüne Hut eingeführt. Bis 1930 hat sich die Uniform im Wesentlichen durchgesetzt.

1935 kommen erste Einschnitte in das Vereinsleben, die aber von der Masse der Mitglieder nicht wahrgenommen werden. Die Bürger-Schützen-Kompanie muß, um nicht verboten zu werden, dem Reichsbund für Leibesübungen beitreten und die Einheitssatzung annehmen. Von nun an wird die Kompanie von einem Vereinsführer geführt, der einen Stellvertreter und den Beirat bestimmt. Der Vereinsführer wird von den Mitgliedern gewählt, aber vom Reichssportführer bestätigt und kann von diesem jederzeit abberufen werden.

Das letzte Schützenfest der Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth wird vom 28. bis 29. Juni 1939 durchgeführt. Das Fest wurde noch einmal zu einem richtigen Volksfest, nachdem das Schützenfest 1938 wegen der herrschenden Maul- und Klauenseuche mehrmals verschoben und dann nur an einem Tag, dem 04. September, durchgeführt wurde. Als letzter Schützenkönig bekommt der Gastwirt vom Central-Cafe, Herrmann Peters, die zehn Pfund schwere Schützenkette umgehängt.        

Mit dem Jahr 1945 tritt im Barther Schützenwesen eine 35 jährige Pause ein. Die Bürger-Schützen-Kompanie wurde auf Anordnung des Bürgermeisters verboten. Das Verbot basierte auf einer Anweisung der sowjetischen Militäradministration und dem Potsdamer Abkommen. Den Deutschen wurde jeglicher Umgang mit Waffen untersagt.

Einen vorsichtigen Neubeginn im Barther Schützenwesen gibt es 1980 mit der Amtsübernahme von Bürgermeister Bernd Zeller. Auf der Suche nach einem Höhepunkt im Herbst mit Volksfestcharakter, entschied man sich für ein Schützenfest. Das erste Schützenfest war am 18. Oktober 1980, das 10 und letzte dieser Art 1992 und überschnitt sich mit den ersten Schützenfesten des Vorpommerschen Schützenvereins zu Barth e.V. Die Schützenköniginnen und -könige der 80er Jahre wurden mit dem Kleinkalibergewehr ausgeschossen.

 

Schützenköniginnen und -könige wurden:

Jahr

Schützenköniginnen

Schützenkönige

1980

Hannelore Jahnke

Waldemar Jahnke

1981

Hannelore Opalka

Siegfried Ott

1982

 

Jürgen Meinke

1983

Inge Skrobanek

Jürgen Meinke

1984

Astrid Grube

Detlef Griesbach

1985

Astrid Grube

Detlef Griesbach

1986

Astrid Burkhard

Henry Bütow

1987

Elvira Hampe

Norbert Lemke

1988

Elfriede Pleger

Gerald Bütow

1989-91

                 kein Schü

tzenfest

1992

Christiane Brose

Norbert Lemke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Vorpommersche Schützenverein zu Barth e.V.

Während in den alten Bundesländern die Schützenvereine bereits ab 1952 wieder zugelassen wurden, mußte man im Osten bis 1990 warten. Am 18. Februar 1991 wurde im Rathaussaal der Stadtverwaltung Barth der Vorpommersche Schützenverein zu Barth e.V. als legitimer Nachfolger der Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth gegründet. Die Gründungsmitglieder sind: Horst Paetow, Armin Lemke, Siegfried Döring, Peter Bladt, Hartmut und Michael Seilz, Norbert Lemke, Helmut Voß, Torsten Sund, Frank Reckzeh, Andreas Wisotzki und Joachim Dehmlow.

Die Mitgliedschaft im Schützenverein ist heute kein Privileg von besser verdienenden mehr. Jeder, der fleißig und engagiert am Vereinsleben teilnehmen will, ist als Mitglied willkommen. Der Verein ist nicht nur eine Stätte wo Schießsport und Traditionspflege im Vordergrund stehen, hier sind auch Mitglieder gefragt, die sich für die Geselligkeit interessieren und einsetzen.

Das alljährliche Schützenfest bildet im Vereinsleben den absoluten Höhepunkt. Das Präsidium ist unermüdlich, das Schützenfest zu einem wahren Volksfest zu entwickeln. Dabei wird auf die guten Traditionen Barther Schützenfeste zurückgegriffen. Herausragende Ereignisse bei den Schützenfesten sind die Vogelrichtfeier am Vorabend des Schützenfestes und an den beiden Festtagen das Schießen um die Königinnen- und Königswürde, der Schützenball und das Gardeschießen.

Einen besonderen Höhepunkt bildete das Jubiläumsschützenfest 2000 aus Anlaß des 550 jährigen Gründungsjubiläums der Barther Schützengilde. Die Barther Schützen übernahmen wieder den Traditionsnamen „Bürger-Schützen-Kompanie zu Barth e.V.“, gleichzeitig wurde eine neue Schützenkette nach dem Vorbild der alten eingeführt. Die neue Kette stiftete der Barther Bürgermeister Mathias Löttge.

 

Schützenköniginnen und -könige

Jahr

Schützenkönigin

Schützenkönig

Jugendkönig

1992

 

Siegfried Döring

 

1993

Gudrun Brinckmann

Hans-Joachim Kagelmann

 

1994

Judith Bandlow

Karl Pirl

 

1995

Ilse Sund

Joachim Grehn

 

1996

Liane Bielenberg

Jürgen Lange

 

1997

Ruth Stadler

Hans-Dietrich Simon

Sven Krabbe

1998

Brigitte Goldenbogen

Rudolf Wiese

Nico Herbusch

1999

Undine Pirl

Karl Pirl

Daniel Armbrecht

2000

Christa Lückemann

Hartmut Lichtwark

Martin Lange

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielfältig sind die Auftritte von Vereinsmitgliedern in der Öffentlichkeit. Das sind nicht nur das Provinzial-Schützenfest oder die Schützenfeste der befreundeten Schützenvereine mit ihren Ummärschen. Da sind eigene  Veranstaltungen, Empfänge des Landrates und des Bürgermeisters, bis hin zu Veranstaltungen anderer Barther Vereine. Dieses reiche Vereinsleben braucht die Mitarbeit aller Vereinsmitglieder. Jeder, der daran aktiv mitwirken will, ist im Verein willkommen.

 

Barth, Juli 2000

Karl Pirl Chronist